Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

Gottfried Honegger
„Ohne Bilder wissen wir nichts.“ ‒ „Unsere ganze Umwelt muss Kunst werden.“ Gottfried Honegger ging es nicht um die Kunst allein, ihm ging es um den Menschen. Ohne Kunst kein Mensch. 98 Jahre alt wurde der Maler, Grafiker und Bildhauer. 1917 wurde er in Zürich geboren, 2016 ist er dort gestorben. Zuletzt lebte er neben seiner Geburtsstadt auch in Paris. Honegger gehört zu den großen „Konkreten“. 1987 erhielt er den Züricher Kunstpreis. Er war zudem Mitbegründer der Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst Zürich.
Gottfried Honegger, Conrete Composition with Green
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Geneviève Claisse
Die Französin Geneviève Claisse (*1935) starb in diesem Jahr im Alter von 83 Jahren. Sie war die Grande Dame der geometrischen Abstraktion. Claisse studierte an der École des Beaux-Arts in Paris. Ihre erste Ausstellung hatte sie 1960, in der Folge wurde ihr Œuvre weltweit in Museen und Galerien gezeigt. Herausragend ist die Stabilität im Schaffen der Malerin, auf ihr Werk ist Verlass. Stets herrscht ein Ungleichgewicht der Formen, die auf einen makellosen Farbauftrag treffen. Bei Claisse wird die Farbfläche lebendig, die Künstlerin war immer auf der Suche nach Bewegung. Insbesondere kommt diese Suche in ihren dreidimensionalen Arbeiten zum Ausdruck.
Geneviève Claisse, Composition géometrique
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John Cage
„Stille“, das ist das Hauptwort im künstlerischen Werk von John Cage. Damit veränderte er die Musikwelt im 20. Jahrhundert radikal. Er ließ die Klänge zu sich selbst kommen, indem er der Ruhe aufmerksam zuhörte – wie in seinem berühmten Klavierkonzert „4‘33““, bei dem die Zuhörer und ihre Umgebung die einzige Geräuschkulisse bildeten. „Everything we do is music“, proklamierte der US-amerikanische Komponist und Künstler. So riss er die Grenzen zwischen dem alltäglichen Leben und dem Kunstwerk ein. Kein Wunder, dass ihn die Treffen mit Marcel Duchamp – einem seiner unzähligen Kontakte in die Kunstwelt – faszinierten. „If, as he said, there is nothing that is not music, there is nothing that is not Cage“, so schlussfolgerte der New Yorker Kunstkritiker Alex Ross. Das klingt nach nicht weniger als einer Ein-Mann-Revolution.
Cage war Komponist, Künstler, Denker, Schriftsteller und anerkannter Pilzexperte. Neben seiner Bedeutung für die Musik gilt er auch als Schlüsselfigur für die Happening-Bewegung sowie als Inspirationsfigur für die Fluxus-Bewegung und die Neue Improvisationsmusik. Vor allem in der Konzeptkunst ist sein Einfluss bis heute spürbar.
John Cage, Mozart Mix
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Candida Höfer
Seit fast 30 Jahren richtet Candida Höfer ihre Kamera auf die Innenräume von Kulturstätten. Ob Museumshallen, Bibliotheken oder auch einmal ein Zoologischer Garten: Bei Höfer sind sie völlig menschenleer, aber zugleich voll gefühlter Anwesenheit und gelebter Geschichte – das ist zum Markenzeichen der gebürtigen Eberswalderin geworden. Dabei manipuliert die Künstlerin nichts: Kein Stuhl in der Kantine des Spiegel-Verlags wird verrückt, kein Vorhang im Florentiner Palazzo Vecchio beiseitegeschoben. Mit der Kamera hält sie rare Momente der Leere und Stille in diesen Räumen fest und bewahrt damit auf Ewigkeit die Vermächtnisse unserer Vergangenheit.
Neben Thomas Ruff, Andreas Gursky und Thomas Struth steht Candida Höfer längst an der Spitze der internationalen Kunstszene. Ihre Arbeiten sind in Sammlungen wie den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München oder der Londoner Tate Collection vertreten.
Candida Höfer, Colored Wood
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Anselm Kiefer
Die Johannisnacht ist ein zentrales Motiv im Werk des deutschen Malers und Bildhauers Anselm Kiefer. Es ist die Nacht vor der Geburt Johannes‘ des Täufers und fällt zusammen mit der Sommersonnenwende, die im heidnischen Mitteleuropa bei Kelten und Germanen als Festtag galt und im späteren Volksglauben sagenumwoben war.
1980 bespielte Anselm Kiefer den Deutschen Pavillon in Venedig und seine euphorisch gefeierte Wanderausstellung durch vier der angesehensten Museen der USA in den späten 80ern machte ihn weltberühmt. Groß dimensioniert sind nicht nur seine Themen, sondern auch die Werke selbst. Der Farnwald, den „Johannis-Nacht“ zeigt, deutet dagegen eine Demutsgeste an: Er verweist darauf, dass die Erde älter ist als der Mensch.
Anselm Kiefer, Johannis-Nacht
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Marcello Morandini
Der Italiener Marcello Morandini, Jahrgang 1940, ist einer der jüngsten der hier vorgestellten Künstler aus den Portfolios von „La Lune en Rodage“. In Mantua geboren, studierte er in Mailand; direkt im Anschluss war er als Industrie-Designer und Grafiker in einer Mailänder Werbeagentur tätig. Morandini liebt es, den einfachen Dingen Komplexität zu verleihen. Auf der Grundlage reduzierter Formen und Farben schafft er durch gezielte Bewegung und Veränderung neue und raffinierte Objekte, seien es Vasen für die Firma Rosenthal, Hausfassaden oder freistehende Skulpturen.
1977 nahm Morandini an der documenta 6 in Kassel teil; im selben Jahr ist auch dieser Siebdruck entstanden, dessen Struktur an eine Skulptur aus gespannten Seilen erinnert, zwischen die sich stetig größer werdende Bälle drängen.
Marcello Morandini, Ohne Titel
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Andreas Christen
International berühmt wurde der Schweizer Künstler und Industrie-Designer Andreas Christen (1936‒2006) für seine „Monoforms“, in Polyester gegossene, monochrom weiße Flachreliefs. Zu Weiß äußert sich der vielfach Ausgezeichnete so: „Weiß ist an sich eine äußerst komplexe Farbe. Ich verwende Weiß hauptsächlich deshalb, weil ich eine möglichst präzise räumliche Ortung des Werkes herstellen will. Ich bediene mich der Möglichkeiten und verzichte auf nichts.‟ Bereits 1960 nimmt ihn kein Geringerer als Max Bill in die Überblicksausstellung „Konkrete Kunst: 50 Jahre Entwicklung“ im Züricher Helmhaus auf. 1971/72 unterrichtet Christen an der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst in Hamburg. Zudem verbringt er einige Jahre in den USA, wo er Donald Judd kennenlernt, der sich von den durchdachten Detaillösungen des Künstlerkollegen inspirieren lässt.
Andreas Christen, Ohne Titel
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Augustin Tschinkel
Augustin Tschinkel (1905‒1983) studierte an der Akademie der Künste in Prag und schloss sich in den 1920er Jahren der „Gruppe progressiver Künstler“ rund um Gerd Arntz und August Sander an. Gemeinsames Ziel dieses politisch aktiven Verbunds war es, die Menschen in den sozialen Strukturen ihrer Zeit im Bild zu dokumentieren. Tschinkels Arbeit „Personnages“ ist ein prägnantes Beispiel dafür. Mithilfe nur weniger Linien entwirft er eine dichte Komposition aus sieben Figuren, hinter denen zwei rauchende Schlote aufragen ‒ ein eindringliches Zeugnis der politisch wie wirtschaftlich in Gärung begriffenen 1930er Jahre!
Augustin Tschinkel, Personnage
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Gerd Arntz
Ein Laib Brot, ein offen stehender Tresor, eine geballte Faust oder ein Maiskolben ‒ das sind nur vier Beispiele für die insgesamt gut 4.000 extrem reduziert gezeichneten Symbole, die der Künstler und Grafiker Gerd Arntz (1900‒1988), teils in Zusammenarbeit mit dem Soziologen und Philosophen Otto Neurath, ab Mitte der 1920er Jahre entwickelte. Diese Piktogramme sollten komplexe Sachverhalte allgemein verständlich machen, auch bzw. gerade für diejenigen, die des Lesens und Schreibens unkundig waren. Arntz’ Entwürfe sind bis zum heutigen Tag eine wichtige Quelle und Inspiration für Designer, Bildstatistiker und Grafiker weltweit.
Gerd Arntz, Bespiegelungen II
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Christian Schad
Christian Schad, 1894 in Miesbach/Oberbayern geboren, gehört zu den Hauptvertretern der „Neuen Sachlichkeit“. In seinen Arbeiten der 1920er Jahre untersucht er die neue soziale Wirklichkeit in der Weimarer Republik. Eines seiner Hauptwerke dieser Zeit, „Sonja“ (1928), das Porträt einer Berliner Sekretärin im schwarzen Chanel-Kostüm und mit Zigarettenspitze, gehört zur Sammlung der Neuen Nationalgalerie in der Hauptstadt. „Die apartesten, gepflegtesten und auch die schönsten Frauen, die mir bei meinen wechselnden Aufenthalten in Europa begegneten, waren die Berlinerinnen“, vermerkt Schad einmal. Zuvor, 1919, hat er, inspiriert von Dada und Surrealismus, die „Schadographie“ entwickelt: Ohne Verwendung einer Kamera belichtet er Papier und bildet Objekte darauf ab. Später wird er für sich die Symbolkraft von Bildern entdecken. Im Umfeld des „Magischen Realismus“ thematisiert er in seinem Werk nun Mythologie und Traumvisionen. 1982 stirbt der Künstler in Stuttgart. Die Stadt Aschaffenburg, wohin Schad 1943 zog, wird 2019 ein Museum für seinen Nachlass als ersten Bauabschnitt des neu geplanten „Museumsquartiers“ eröffnen.
Christian Schad, Varietéprobe
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Getulio Alviani
Getulio Alviani (1939‒2018) war ein italienischer Maler, Objektkünstler sowie Vertreter der Op-Art bzw. der kinetischen Kunst. Er schuf abstrakte Arbeiten sowohl in reduziertem Schwarz-Weiß als auch in einer Vielfarbigkeit, die an durch ein Prisma fallendes Licht gemahnt. In Mailand freundete er sich 1963 mit Lucio Fontana an, außerdem arbeitete er mit Max Bill und Josef Albers zusammen. 1964 wurde er auf die Biennale in Venedig eingeladen, ein Jahr später war er in der wegweisenden Ausstellung „The Responsive Eye“ vertreten, die das New Yorker MoMA zur kinetischen Kunst ausrichtete ‒ sein Durchbruch.
Auch in Alvianis 1977 entstandenem Siebdruck spielt Licht eine wichtige Rolle: Die vertikal verlaufenden schwarzen Linien wirken, als würden sie von einem Lichtstrahl durchbrochen – ein typisches Werk der Op-Art!
Getulio Alviani, Ohne Titel
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Joachim Albrecht
Joachim Albrecht (1913‒1997) war ein wichtiger Vertreter der konstruktiven Kunst. Unter dem Einfluss von Victor Vasarely und Auguste Herbin entwickelte er in den frühen 1960er Jahren seinen Stil, der die Fläche als eigenständigen Raum versteht. Der Siebdruck ohne Titel aus dem Jahr 1977 ist ein schönes Beispiel für Albrechts souveränen Umgang mit der Fläche: In einem geometrischen Spiel aus Dunkelgrün und Schwarz entsteht der Eindruck eines dreidimensionalen Werkes.
Joachim Albrecht, Ohne Titel
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Max Olderock
Max Olderocks (1895‒1972) Holzschnitt „Komposition mit Häusern“ ist auf sehr feinem Papier gedruckt und nachträglich aquarelliert, was jedem Werk Unikat-Charakter verleiht! Mehr noch: Kleine schwarze Striche und Punkte abseits des Motivs auf dem Papier offenbaren sich als Spuren, die beim Druckprozess entstanden sind und Olderocks Arbeiten eine ganz besondere Note verleihen.
Der in Hamburg geborene Künstler war Mitglied des Deutschen Werkbundes und mit dem Bauhaus-Meister Lothar Schreyer in Kontakt. Während des „Dritten Reichs“ hatte Olderock Malverbot und seine in öffentlichen Sammlungen befindlichen Werke wurden zerstört.
Max Olderock, Komposition mit Häusern
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Max Olderock
Max Olderocks (1895‒1972) Holzschnitt „Abstrakte Komposition“ ist auf sehr feinem Papier gedruckt und nachträglich aquarelliert, was jedem Werk Unikat-Charakter verleiht! Mehr noch: Kleine schwarze Striche und Punkte abseits des Motivs auf dem Papier offenbaren sich als Spuren, die beim Druckprozess entstanden sind und Olderocks Arbeiten eine ganz besondere Note verleihen.
Der in Hamburg geborene Künstler war Mitglied des Deutschen Werkbundes und mit dem Bauhaus-Meister Lothar Schreyer in Kontakt. Während des „Dritten Reichs“ hatte Olderock Malverbot und seine in öffentlichen Sammlungen befindlichen Werke wurden zerstört.
Max Olderock, Abstrakte Komposition
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Jörg Immendorff
Jörg Immendorff, 2007 im Alter von nur 61 Jahren der Nervenkrankheit ALS erlegen, gehört zweifellos zu den international bekanntesten und bedeutendsten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Durch seine Studienzeit bei Joseph Beuys in Düsseldorf geprägt, hat er sich seit den späten 1960er Jahren mit dem politischen Zeitgeschehen auseinandergesetzt und mit seiner Malerei auf tagespolitische Ereignisse reagiert. Mitte der 1980er Jahre entstand der berühmte 16-teilige Zyklus „Café Deutschland“, in dem er wie auf einer düsteren Bühne seine Protagonisten von Erich Honecker bis Bertholt Brecht, von uniformierten Polizisten bis zu Punks detailreich in Szene setzte und so die Teilung Deutschlands kommentierte.
Immendorff wurde als Visionär der deutschen Einheit und Chronist dieses Landes gefeiert. Auf die Etikettierung als politischer Künstler reagierte er einmal lakonisch: „Die Themen sind mir immer zugeflogen.“ Anlässlich seines 60. Geburtstages 2005, zwei Jahre vor seinem Tod, würdigte ihn die Neue Nationalgalerie in Berlin mit einer großen Werkschau unter dem von einem Clint-Eastwood-Western inspirierten Titel „Jörg Immendorff. Male Lago – Unsichtbarer Beitrag“.
Jörg Immendorff, Bourse
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Philip Grözinger
„Trust“ ist eine aktuelle Arbeit des Malers Philip Grözinger aus diesem Jahr (2018). Es handelt sich um ein Original, von ihm in Öl und Acryl auf die Leinwand gebracht. In "Trust" schaut uns ein Außerirdischer an, der seine Raumkapsel in den Händen trägt. Kann man ihm trauen oder reißt er gleich sein nett lächelndes Maul auf? Diese Mischung aus Science-Fiction und Horror ist typisch für Grözingers malerische Fantasiewelten. Der in Berlin lebende, international bekannte Künstler Philip Grözinger wurde 1972 in Braunschweig geboren. Er studierte freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Als Künstler ist er ein Erfinder. Seine Bilder sind Visionen einer anderen Welt.
Philip Grözinger, Trust
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Philip Grözinger
Der in Berlin lebende, international bekannte Künstler Philip Grözinger wurde 1972 in Braunschweig geboren. Er studierte freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Sein Werk umfasst Malerei, Zeichnung, Grafik und Skulptur. Grözingers künstlerisches Universum ist reich an Figuren, Kreaturen, Hybriden zwischen Mensch und Maschine. Als Künstler ist er ein Erfinder. Seine Bilder sind Visionen einer anderen Welt. Sie erzählen uns von der Zukunft und von den Weiten des Weltraumes gleich einem visuellen Science-Fiction-Roman. Humorvoll, sarkastisch, poetisch, so lässt sich Grözingers Werk beschreiben. Sein Farbauftrag ist expressiv, sein Kolorit mal grell, mal zurückhaltend.
Philip Grözinger, Finding New Ways of Enchantment
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Günther Uecker
Das Buch Hiob aus dem Alten Testament gehört zur Weltliteratur. Kaum einem anderen Künstler ist eine so eindringliche Auseinandersetzung mit diesem Stoff, in dem es um die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Leidens im Glauben geht, gelungen wie Günther Uecker. Seine künstlerische Interpretation des alttestamentlichen Textes gilt als eine seiner wichtigsten Mappenarbeiten überhaupt. Sie umfasst 47 Grafiken, von der jede aus einem umklappbaren Doppelbogen mit Motiv und entsprechendem Text besteht. Ein Exemplar dieser beeindruckenden „Hiob“-Mappe befindet sich in der Kunstsammlung der BRD und wird im Berliner Reichstag präsentiert.
Günther Uecker, Hiob Seite 25
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Günther Uecker
Schon als Kunststudent machte Günther Uecker (geboren 1939 in der Nähe von Wustrow) die Entdeckung, dass der Bleistift nicht nur als Zeichengerät, sondern auch anders ausdrucksfähig ist – wenn man das Papier mit ihm durchsticht. „Das war Realismus für mich. Die Emotionen sind in der Hand, die Hand ist das Werkzeug, und der Arbeitsplatz ist Kunst“, erklärte er später. Da war es zu Hammer und Nagel nicht mehr weit, mit denen Uecker seither Bilder und Objekte erarbeitet, für welche er weltweit gefeiert wird.
Uecker zählt zu den wichtigsten Nachkriegskünstlern Deutschlands überhaupt. 1961 wurde er Mitglied der von Heinz Mack und Otto Piene kurz zuvor gegründeten Gruppe ZERO und wandte sich daraufhin verstärkt der Lichtkunst zu. Wenige Jahre später, 1970, war er neben Karl-Georg Pfahler, Mack und Thomas Lenk deutscher Vertreter auf der Biennale in Venedig. Seine Hauptwerke, wie etwa seine genagelten Reliefs, werden heute am Kunstmarkt auf eine halbe Million Euro oder mehr taxiert. 2015 ehrte die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf den Aktionskünstler, Bildhauer, Bühnenbildner und Poeten mit einer umfangreichen Retrospektive.
Günther Uecker, Hiob Seite 40
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Amelie von Wulffen
„Bilder 2000‒2015“ lautete der schlichte Titel der großen Werkschau von Amelie von Wulffen in der Münchner Pinakothek der Moderne 2015 – die dort versammelten Arbeiten der Senkrechtstarterin waren jedoch alles andere als schlicht. So zeigt eine ihrer Collagen John Travolta im Achselshirt vor gemalter Winterlandschaft, auf ihren Gemälden tummeln sich Monster oder ein Rudel weißer Hunde vor einem Haus am Berg. Und eine ganze Serie von Zeichnungen widmet sich Gemüse-Cartoons: Da stehen zwei Karotten mit einer Zwiebel, einer Stange Lauch und einem Messer zusammen neben einem kochenden Suppentopf und diskutieren lebhaft über – was?
Die 1966 geborene Künstlerin hat an der Münchner Akademie bei Olaf Metzel und Daniel Spoerri studiert – beides Künstler, die wie von Wulffen alle Möglichkeiten des Malerischen nutzen und die Grenzen dessen suchen, was Kunst ist.
Amelie von Wulffen, Ohne Titel
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Hans (Jean) Arp
Hans Arp (1887–1966) zählt zu den bedeutendsten Avantgardekünstlern des 20. Jahrhunderts. 1916 ist er in Zürich Mitbegründer der „Dada“-Bewegung, die sich unter dem Eindruck der Schrecken des Ersten Weltkrieges gegen die bestehende Moral, Politik und Ästhetik der bürgerlichen Gesellschaft auflehnt. Zudem hat er Kontakt zur Gruppe „Der Blaue Reiter“ und zu Max Ernst. Neben diesem arbeitet Arp zum Beispiel auch mit dem Konstruktivisten El Lissitzky sowie mit Kurt Schwitters zusammen. Besonders eng aber ist sein Schaffen mit dem seiner Frau Sophie Taeuber-Arp verbunden. Die Jahre 1930 bis 1939 gelten als die besonders kreative Phase des Künstlerpaares, den Großteil dieser Zeit leben beide in Paris, in unmittelbarer Nähe von Ernst und Joan Miró. In diesen Jahren entstehen erste organische, rundplastische Arbeiten in Gips, für die die Natur die dominierende Bezugsgröße darstellt. 1937 lädt das MoMA in New York Arp ein, seine Werke in der Ausstellung „Fantastic Art, Dada and Surrealism“ zu zeigen. 1954 erhält er – gemeinsam mit Ernst und Miró – den Großen Preis der Biennale von Venedig. Heute sind seine Werke in den Sammlungen wichtiger internationaler Museen vertreten wie etwa der Fondation Beyeler oder des MoMA.
Hans (Jean) Arp, Constellation
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Olaf Hajek
Olaf Hajek (geb. 1965) zählt zu den international bekanntesten und gefragtesten Illustratoren. Er gestaltet Titel etwa für die „New York Times“, den „Guardian“ und das „SZ-Magazin“, entwirft für die englische Krone eine Briefmarke und für kleine Yoga-Gurus einen Buchtitel oder gestaltet Werbekampagnen für eine schwedische Schokolademarke.
Neben seinen Auftragsarbeiten, die der in Berlin lebende Hajek übrigens alle in Acrylfarben ausführt, widmet er sich der Malerei zunehmend auch freischaffend. Sein Stil ist einzigartig: Mit einem keine Grenzen kennenden Repertoire an Farben und Formen erschafft Hajek traumähnliche, exotische Welten, in denen sich Vögel und Insekten tummeln, Schlangen um Menschenkörper winden und Frauen wundersamen Blumenschmuck tragen.
Olaf Hajek, The Flower
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Rainer Fetting
Rainer Fetting, geboren 1949 in Wilhelmshaven, ist ein scharfsinniger Beobachter der Stadt. Seine provokante Malerei fängt ihre Stimmungen und charakteristischen Szenen ein. Zugleich ist er ein Maler des Undergrounds. Dazu war er, wie er selbst sagt, immer dort, wo es „aufregend“ war. In den 70er Jahren war dies Westberlin und Kreuzberg. Zu dieser Zeit malt Fetting seine berühmte Serie der „Mauerbilder“. Noch als Meisterschüler an der HdK gründet er 1977 mit Bernd Zimmer, Helmut Middendorf und Salomé die legendäre „Galerie am Moritzplatz“. Wenige Jahre später ist er, einer der „Moritzboys“, als Maler ein Weltstar. Fettings Werk ist ein Bekenntnis zur Malerei: expressiver Pinselduktus, kraftvolle Farbpalette. Er gilt als wichtiger Vertreter der „Neuen Wilden“. Sammler und Galeristen kommen in Scharen. In den 80er Jahren richtet er sich einen zweiten Wohnsitz in Manhattan, New York, ein. Hier entstehen Ansichten der Stadt am Hudson, seine Taxibilder, die „Yellow Cabs“.
Rainer Fetting, Ahrenshoop
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Anne Imhof
Anne Imhof ist die Künstlerin der Stunde. Spätestens seit sie im letzten Jahr bei der Kunst-Biennale in Venedig für die Gestaltung des Deutschen Pavillons mit dem „Goldenen Löwen“ geehrt wurde. Ihr Beitrag: die fast fünf Stunden dauernde Performance „Faust“: Hunde stehen in einem Zwinger vor dem Deutschen Pavillon und bewachen rund vierzig junge Frauen und Männer, alle in dem monumentalen Gebäude hinter Panzerglas eingeschlossen. Imhof geht es hier um Machtverhältnisse und Brutalität. Sie hat sich keine leichte Kost für ihren bislang größten Auftritt in der Kunstwelt ausgesucht.
Anne Imhof, Untitled (Anne Imhof)
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Bettina Krieg
Die Arbeiten von Bettina Krieg (geb. 1981), die in Berlin, Marseille und Canberra studierte und Meisterschülerin von Daniel Richter, Robert Lucander und Hans-Jürgen Diehl war, geben Fragen auf. Die mal zart, mal mit kräftigem Strich ausgeführten Zeichnungen bewegen sich zwischen Figürlichkeit und Abstraktion. Das Auge sucht nach Halt, findet Ankerpunkte, Details inmitten eines Strudels, dann verliert es sich wieder in der Tiefe der Zeichnung. Bewusst gibt die Künstlerin keine Antworten in Bezug auf Perspektive, Materialität, Anfang oder Ende. Ihre Werke tragen keine Titel, denn jeder sieht das, was er vermag.
Neben Stichen von Whistler, Corot und Courbet waren es Motive in ihrer alltäglichen Umgebung, die die Künstlerin zunächst inspirierten. Ein Fotoarchiv entstand, aus dem Krieg lange schöpfte, um die Strukturen komplexer Systeme, etwa Verkabelungen, Vegetationsformen, Meerestiere und Wasserfälle, zu durchdringen. Mit Bleistift, Pinsel, Feder, Fineliner und Marker seziert sie ihre Umgebung. Aktuelle Ausstellungen zeigen Arbeiten mit neuem Vokabular – abstrakter, stringenter und reduzierter. Was bleibt, ist das Spielerische und zugleich Analytische der Werke. Krieg wurde bereits vielfach mit Preisen sowie diversen hochkarätigen Stipendien ausgezeichnet.
Bettina Krieg, Untitled Green WV BK D 0850
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Sigmar Polke
Sigmar Polkes (1941-2010) Künstlerlaufbahn begann bereits mit sechs Jahren. Da malte er einen Bomber, aus dessen Bauch es Hakenkreuze regnete. Er war ein Kriegskind – wie sein Künstlerfreund Gerhard Richter, und wie Richter war er aus der DDR in den Westen geflohen. Die beiden trafen sich an der Düsseldorfer Kunstakademie und riefen den „Kapitalistischen Realismus“ aus, in Abgrenzung zum Diktum im Osten Deutschlands. Früh machten sie auf sich aufmerksam, doch Sigmar Polke wurde vor allem mit einem Gemälde aus dem Jahr 1969 weltberühmt: „Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!“ Die Aufforderung ist auf der – bis auf die schwarz Ecke – weißen Leinwand in Schreibmaschinentypo notiert.
Die Ironie war Sigmar Polke ureigen, genauso wie seine Auflehnung gegen die Überhöhung des künstlerischen Schaffens oder gegen den Kunstbetrieb – auch wenn er selbst später zu den bestgehandeltsten deutschen Künstlern aufstieg. Der Kurator Harald Szeemann lud ihn im Jahr 1972 zur Documenta ein. Polke war dann auch auf der Documenta 6 und 7 dabei. Im Anschluss stellte er in allen großen Museen aus, darunter das Lenbachhaus in München, das Moderna Museet in Stockholm, das Museum Ludwig in Köln, das Amsterdamer Stedelijk-Museum, das Centre Georges Pompidou in Paris und der Berliner Martin Gropius Bau. Im Jahr 1986 erhielt Sigmar Polke den Goldenen Löwen für den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig und 2002 den Praemium Imperiale in Tokyo – zwei seiner zahlreichen Auszeichnungen.
Sigmar Polke, Unerwünschte Geschenke
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Marina Abramović
1946 im kommunistischen Jugoslawien als Tochter zweier Parteifunktionäre geboren, verließ Abramović 1976 ihre Heimat. Heute ist sie in New York ansässig. Die Künstlerin wurde 2010 durch ihre beeindruckende Retrospektive „The Artist is Present” im New Yorker MoMA populär, gefolgt von dem gleichnamigen Film von 2012, der ihr aufseiten der Kritik Beifall und große Publicity einbrachte.
In jener Performance saß sie in einem roten, hochgeschlossenen, bodenlangen Kleid fast reglos über einen Zeitraum von 90 Tagen, auf einem Stuhl und tat nichts anderes, als ihren Blick zu heben und die Besucher, die sich ihr gegenübersetzten, schweigend anzuschauen. Popstars wie Lady Gaga and Jay-Z umwerben sie heute. Momentan baut sie das MAI, das Marina Abramović Institute, in Upstate New York auf, um Langzeitaufführungen zu fördern und die „Abramović Method“ zu lehren. Marina Abramović erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1997 den Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig. Sie ist Ehrenmitglied der Royal Academy of Arts, London und zählt laut Time-Magazin 2014 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten.
Marina Abramović, Image of Happiness
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Raymond Pettibon
Für die einen ist er „einer der eindringlichsten Chronisten des amerikanischen Traums“ (Gerald Matt), für die anderen der Illustrator des amerikanischen Punkrock, der für Bands wie „Black Flag“ und „Sonic Youth“ Albumcover gestaltete, die zur Legende wurden. Die Rede ist von dem Kalifornier Raymond Pettibon (geb. 1957), der in den frühen 1980er Jahren begann, seine stets mit Texten kombinierten, sozialkritischen Tuschezeichnungen zu veröffentlichen. Aus den Punkfans wurden Kunstsammler und aus Pettibon wurde einer der gefragtesten Künstler unserer Zeit.
Pettibon, dessen Nachname seinem Vater zu verdanken ist, der ihm den Spitznamen „petit bon“ gab, studiert erst Ökonomie, bevor er sich zunehmend seiner künstlerischen Tätigkeit widmet und Illustrationen für Fanzines sowie Flyer, Poster und Plattencover gestaltet, u. a. für das Plattenlabel seines Halbbruders Greg Ginn. Etwas später entdeckt ihn auch die Kunstwelt, seine Zeichnungen waren im MOMA, New York, auf der Biennale in Venedig und 2002 auf der documenta 9 in Kassel zu sehen. 2004 verleiht ihm das New Yorker Whitney Museum of American Art den hoch dekorierten Bucksbaum Award und just 2013 erzielt eine Arbeit von ihm aus dem Jahr 2000 bei Sotheby‘s den stolzen Preis von 413.000 US-Dollar.
Raymond Pettibon, One more line
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Stefan Marx
Seine Zeichnungen zieren neben Galeriewänden auch Plattencover, Skateboards, Zines und Theater-Broschüren. Die Rede ist von Stefan Marx, Jahrgang 1979. Der Zauber seiner Arbeiten liegt im Alltäglichen, das sie verhandeln. Für artflash hat Marx eine Edition mit Unikatcharakter geschaffen – humorvoll und eigensinnig – und limitiert auf 16 Exemplare.
Stefan Marx, Moonlightsss
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John Baldessari
Mit John Baldessaris Lithografie „Hot Tub“ (2016) reisen wir in die Vergangenheit. Das Foto zeigt eine Aufnahme aus den 70er Jahren. Ein Paar sitzt in einem Whirlpool, er hält einen Drink mit Eiswürfeln in der rechten Hand, umschlingt mit dem linken Arm seine Partnerin. Was tut sie? Sie schmiegt sich an seinen Körper. Irritierend, charmant und humorvoll: Das Paar sitzt angekleidet im sprudelnden Whirlpool-Wasser. Er trägt ein Hemd und sie eine Bluse, der Stoff klebt nass an ihren Körpern. Wer ist dieses Paar in Partystimmung? Baldessari macht eine Identifizierung unmöglich, mit Filzstift hat der Künstler die Gesichter unkenntlich gemacht. Datenschutz analog!
John Baldessari, Hot Tub
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Lou Loeber
Lou Loeber widmete ihr Leben ganz der Kunst. Am 3. Mai 1894 wurde sie in Amsterdam geboren; ihr wohlhabendes Elternhaus war stets offen für neue künstlerische Entwicklungen in den Niederlanden um die Jahrhundertwende. Bereits 1913 bekam Loeber ihr eigenes Atelier, 1915 wurde die junge Malerin an der Rijksacademie voor Beeldende Kunsten, Amsterdam, aufgenommen. Sie war aktive Sozialistin und Pazifistin. Sie interessierte sich für den Kubismus und setzte sich intensiv mit „De Stijl“ und den Lehren des Bauhauses auseinander. 1931 heiratete sie den Maler Dirk Koning. Loeber starb 1983 in Blaricum, Provinz Nordholland.
Lou Loeber, Zonnebloemen
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Françoise Pétrovitch
Das Fragile interessiert Françoise Pétrovitch, daher überrascht es nicht, dass ihr – obwohl sie mit unterschiedlichsten Materialien und Medien arbeitet – die Zeichnung die liebste künstlerische Technik ist. Dabei kommt es ihr auf die spontane Geste an, frei skizziert sie in einfachen Linien Figuren auf Papier. Diese changieren zwischen Kindheit und Erwachsensein, männlich und weiblich oder auch Mensch und Tier. Die Gestalten der 1964 in Chambéry geborenen Pétrovitch stehen meist isoliert auf weißem Grund. Das verleiht ihnen Kraft – vermittelt aber auch das Gefühl von Verlorenheit.
Zahlreiche öffentliche Sammlungen haben die Arbeiten der Künstlerin erworben, darunter das FNAC, der Fonds Régional d’Art Contemporain (FRAC) Alsace, der FRAC Haute-Normandie und das Musée d’art contemporain du Val-de-Marne (MAC/VAL). Pétrovitch lehrt an der l’École supérieure des arts et industries graphiques (ESAIG) in Paris.
Françoise Pétrovitch, Rougir (Singe)
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Geneviève Claisse
Die Französin Geneviève Claisse (*1935) starb in diesem Jahr im Alter von 83 Jahren. Sie war die Grande Dame der geometrischen Abstraktion. Claisse studierte an der École des Beaux-Arts in Paris. Ihre erste Ausstellung hatte sie 1960, in der Folge wurde ihr Œuvre weltweit in Museen und Galerien gezeigt. Herausragend ist die Stabilität im Schaffen der Malerin, auf ihr Werk ist Verlass. Stets herrscht ein Ungleichgewicht der Formen, die auf einen makellosen Farbauftrag treffen. Bei Claisse wird die Farbfläche lebendig, die Künstlerin war immer auf der Suche nach Bewegung. Insbesondere kommt diese Suche in ihren dreidimensionalen Arbeiten zum Ausdruck.
Geneviève Claisse, Composition géometrique
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Piero Dorazio
Der Italiener Piero Dorazio (1927‒ 2005) beginnt mit der Malerei am Nullpunkt der Bildenden Kunst. Nach dem Zweiten Weltkrieg begibt er sich auf die Suche nach einer eigenen Bildsprache: einer, die nichts illustriert, sondern sich selbst genügt. Mit seinen Gemälden und Zeichnungen erzeugt der Künstler virtuelle Farbräume. Im Geiste von Kasimir Malewitsch und Paul Klee bringt er die Abstraktion der Farbe zum Höhepunkt, lässt aus Malerei subtile Poesie entstehen.
Dorazios Künstlerleben liest sich bilderbuchhaft: 1947 studiert er an die École des Beaux-Arts in Paris. Dort lernt er Henri Matisse und Georges Braque kennen. 1953 unterrichtet er in Harvard und trifft auf Willem de Kooning und Robert Rauschenberg. Er wird auf die großen internationalen Kunstschauen eingeladen: auf die documenta in Kassel, die Biennale von Venedig. 1961 erhält er den renommierten Prix Kandinsky.
Doch Dorazio sucht die Stille. Er zieht sich in ein verlassenes Kloster im umbrischen Todi zurück, arbeitet an den unbegrenzten Möglichkeiten der Malerei. Er realisiert Werke, die nur deshalb so simpel erscheinen, weil sie auf handwerklicher Perfektion beruhen. Heute wird Dorazios Lebenswerk wiederentdeckt.
Piero Dorazio, Palpito della Luce
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Julian Wasser
Julian Wasser war Fotograf von ‚Time’ als er diese legendäre Schachszene ablichtete. Mit der Fotografie "Duchamp Playing Chess with a Nude (Eve Babitz)" schuf er 1963 eine der berühmtesten Fotografien der Kunstwelt.
2014 wurde ein Print der Fotografie unter dem Titel „The Way We Were“ neu aufgelegt. Die Protagonisten auf dem Foto sind der französische Avantgarde Künstler Marcel Duchamp, der mit seinen Readymades zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Kunstwelt revolutionierte und Eve Babitz, eine junge Amerikanerin, die in der Kunstszene Kaliforniens eine bekannte Größe war. Während Duchamp am Schachtisch im schwarzen Anzug sitzt, ist die über 40 Jahre jüngere Eve Babitz vollkommen nackt. Nur ihre Haare bedecken ihr Gesicht. Wie konnte es zu dieser Provokation kommen? Die Schwarz-Weiß-Fotografie entstand im Pasadena Art Museum, während einer Retrospektive zu Ehren Duchamps. Es soll nicht, wie häufig vermutet, der Dadaist, Wegbereiter der Konzeptkunst und leidenschaftliche Schachspieler Marcel Duchamp gewesen sein, der diese Fotoszene inszenierte. Es soll Julian Wasser gewesen sein, der zu dem Bild angeregt hat. Babitz verlor zwar die Schachpartie, doch wurde sie seitdem für ihren Mut und ihre Schönheit verehrt.
Julian Wasser, The Way We Were / Marcel Duchamp and Eve Babitz, 1963
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Stefan Heyne
Stefan Heyne ist in seinem Werk zum Ursprung der Fotografie vorgedrungen. Das tatsächlich Sichtbare enthält er dem Betrachter vor. Straßenfluchten, Autos, Raumecken, Einrichtungsgegenstände oder Himmelsbilder ‒ seine Motive werden zur unsichtbaren Information. Stattdessen zeigt uns Heyne das pure Licht, ausgedrückt durch das Farbspektrum dieser Motive. Damit gelingt dem in Berlin lebenden Künstler ein neuer Blick auf die Fotografie. Ganz bewusst setzt er sich von der Düsseldorfer Fotoschule ab, die mit Thomas Ruff, Andreas Gursky und allen voran Bernd und Hilla Becher, der Repräsentation des Realen zugewandt, diese letztlich nie ganz verlässt. So gewinnt die „Neue Abstraktion“ in der zeitgenössischen Fotografie mit Heynes Neubefragung des Mediums eine bedeutende Position.
Stefan Heyne, Ohne Titel (Nr. 82 & Nr. 78)
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George Byrne
Der Schatten eines Schwimmreifens, Palmen vor wolkenlosem Himmel, menschenleere Gebäudefassaden, bizarre Details - der australische Fotograf George Byrne schaut hin, wo scheinbar nichts passiert. Doch die Straßen- und Landschaftsfotografie des Vierzigjährigen Australiers strahlt! Sie ist Lebensgefühl pur. Ein Roadmovie durch bezaubernde Farben, schillerndes Licht und ungewöhnliche Bildkompositionen.

Für sein letztes Projekt „Local Devision“ fuhr Byrne Tag um Tag, Stunde um Stunde in einem ehemaligen Polizeiauto durch die Vororte seiner Wahlheimat Los Angeles. „Local Devision“ so hieß auch seine erste große Einzelausstellung, als er zurück nach Australien kam, bei dem Galeristen Tim Olsen 2016 in Sydney. Ein Senkrechtstart ‒ mit ihr wurde Byrne einem größeren Kunstpublikum bekannt. Byrne, der an der Sydney University und am Sydney College for the Arts studierte, ist zudem Sänger und Songwriter. Angesichts seiner Bilder ist es wahrlich nicht schwer, einen Song vom ewigen Sommer im Ohr zu haben.
George Byrne, 99 Silverlake #3
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Sarah Morris
Schon seit anderthalb Jahrzehnten zählt die 1967 geborene Britin Sarah Morris zu den weltweit erfolgreichsten Künstlerinnen. Bekannt wurde sie mit abstrakten Gemälden, deren geometrische Strukturen Hochhausfassaden widerspiegeln und die Architektur moderner Metropolen hinterfragen. Urbane Landschaften und Konstruktionen sind auch Thema ihrer Filme, in denen sie Städte wie Washington, New York oder Los Angeles porträtiert. Hoch gelobt wurde Morris’ beiläufiger Blick auf Ereignisse, die für den Charakter einer Großstadt bestimmend sind: „Capital (Washington D. C.)“ etwa zeigt das Treiben rund um das Weiße Haus während der letzten Amtstage von Präsident Clinton, in „Los Angeles“ beobachtet Morris Hollywoodstars wie Warren Beatty bei den Vorbereitungen zur Oscar-Verleihung. Morris präsentierte ihre Arbeiten bereits in Ausstellungshäusern wie der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, oder im Guggenheim.
Sarah Morris, Sony (Los Angeles)
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Christoph Niemann
Die Arbeiten des international gefragten Illustrators und Künstlers Christoph Niemann sind genauso schlicht wie genial: Wenn ein Mohnbrötchen in seinen Zeichnungen zum Dreitagebart mutiert, Bananen zu Hinterflanken eines Pferdes oder Eddings zu gestiefelten Beinen werden, nicken wir zustimmend und müssen schmunzeln. Aber selber darauf gekommen wären wir nie! Seit sieben Jahren postet Niemann in seinem Sonntags-Blog „Abstract Sunday“ in der „New York Times“ seine erfindungsreichen und humorvollen alltäglichen Beobachtungen. Der für artflash geschaffene Siebdruck trägt den einfachen Titel „Legs“ – und erzählt doch so viel mehr!
Christoph Niemann, Legs
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Jonathan Meese
Jonathan Meese ist das Enfant terrible der Kunst und einer der radikalsten Aktionskünstler seiner Zeit. Er malt, baut Skulpturen, schreibt und kreiert Bühnenwelten, wie für Frank Castorf.
Populär wurde Meese sowohl durch seine Rolle als durchgeknallter Künstler in dem Film „Sonnenallee“ von Leander Haußmann als auch durch seine Teilnahme an der ersten Berlin Biennale 1998, auf der seine raumgreifende Installation aus Fotocollagen und Fundstücken, die als „Messie-Zimmer“ bekannt wurde, für Aufsehen sorgte. Seine prophetische Attitüde weiß er wirkungsbewusst und marktwirksam in Szene zu setzen, und ein Grund für seinen Erfolg mag sein, dass man nie weiß, ob Meese das, was er sagt, selber glaubt oder ob er es nur vorgibt. Der Künstler wurde mit seinem Beitrag für die erste, von Klaus Biesenbach, Hans-Ulrich Obrist und Nancy Spector kuratierte Berlin Biennale im Jahr 1998 international bekannt. Ob in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, im Pariser Centre Pompidou oder im MoMA PS1 in New York ‒ seine expressiven Arbeiten finden weltweit größte Beachtung.
Jonathan Meese, Richard Wahnkind
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Harald Naegeli
„Ich bin Zeichner!“, so der Schweizer Künstler Harald Naegeli (*1939). Überraschend ist das Medium, das er für sich auserkoren hat: Als Pionier der Graffiti-Kunst sprayte er bereits in den 1970er Jahren filigrane Wesen mit wenigen Linien an die Häuserwände seiner Heimatstadt Zürich. Gleichzeitig studierte er intensiv die Alten Meister wie Albrecht Dürer oder die asiatische Zeichenkunst und fühlt sich verbunden mit den Ursprüngen der Felsenzeichnungen. „Urwolke“ nennt er sein Lebensprojekt: eine Endloszeichnung aus mittlerweile über 500 Blättern, auf denen er mit winzigen Strichen, Punkten und Kreisen Bewegung und Räumlichkeit visualisiert.
In seinem Farbsiebdruck ist beides vereint: das Rebellentum der Sprayer-Kunst, das sich hier in kräftigen Farben entlädt, und Naegelis feine Linienführung , die unsere Neugierde weckt. Der Künstler hält immer wieder Tiere und Naturelemente in seinem Skizzenbuch fest und ist sich doch sicher: „Die gesamte Erscheinung der Welt kann nur mithilfe der Abstraktion festgehalten werden.“
Harald Naegeli, o.T. (Harald Naegeli)
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Juergen Teller
Juergen Teller gehört international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart. Seine Fotografien aus den Bereichen Mode, Musik und VIP´s sind Kult, seine Porträts Kunst.
Der Starfotograf wurde 1964 in Erlangen geboren, ab 1986 lebt Teller in London. 1991 wurde er bekannt als seine Bilder der Band Nirvana veröffentlicht wurden. Zu seinen bekanntesten Fotos zählt Tellers Inszenierung von Victoria Beckham aus dem Jahr 2009: Aus einer überdimensionalen Marc-Jacobs-Einkaufstüte ragen Beckhams Beine heraus, als säße sie auf dem Stuhl eines Gynäkologen. Juergen Tellers Fotografien brechen mit Sehgewohnheiten, die Übertreibung in seinen Inszenierungen kennt keine Grenzen. Oft fotografiert Teller in Serien. Auch Alltagsszenen und Landschaftsaufnahmen zählen dazu. Seit 2016 tourt Tellers Werkschau „Enjoy Your Life“ durch Museen in Deutschland und der Schweiz.
Juergen Teller, Swimming, Glemmingebro, Sweden
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Louise Bourgeois
Louise Bourgeois eine Grande Dame der zeitgenössischen Kunst zu nennen, ist nicht zu hoch gegriffen, schließlich stellte die 2010 mit 98 Jahren verstorbene Künstlerin in den großen Museen weltweit aus. 1983 richtete ihr das Museum of Modern Art in New York als erster Künstlerin eine Einzelausstellung aus. Ihre Skulpturen und Installationen aus Bronze und Marmor, Gips, Latex und Textilien erzielen Höchstpreise – sie gilt als eine der teuersten Künstlerinnen der Gegenwart überhaupt. Und doch trifft die Würdigung nicht ganz: Denn bis zuletzt verweigerte sich die geborene Französin, die ab 1938 in New York lebte, dem Gesetzten, Damenhaften. Im Rahmen der legendären Salons in ihrem Atelier in Chelsea suchte sie noch in hohem Alter den Austausch mit jungen Künstlern.
Sie blieb eine Fragende, die in ihrer autobiografisch motivierten Kunst Angst, Hass, Wut und vor allem ihre traumatischen Kindheitserinnerungen thematisierte. Welche Grande Dame ließe sich von Robert Mapplethorpe porträtieren, verschmitzt lächelnd im Fellmantel mit übergroßem Phallus unter dem Arm? Eben. Und so können wir Louise Bourgeois in Erinnerung behalten als weise alte Frau mit großem Humor, die uns gelehrt hat, dass Schmerz und Tod zum Leben gehören und das Fragen niemals endet.
Louise Bourgeois, The Reticent Child
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Rupprecht Geiger
Die Farbe hatte es ihm angetan. Sie war Rupprecht Geigers einziges Motiv. Yves Klein widmete sich dem Blau, Geigers Kosmos wiederum war das Rot. Die Leuchtspur des Lippenstifts aus einem Care-Paket für seine Frau war der Auslöser seiner Begeisterung für diese Farbe. Zunächst als Architekt tätig, wurde Geiger in der NS-Zeit als „Kriegsmaler“ an die Ostfront geschickt. Heute gilt er als herausragender Vertreter der gegenstandslosen Malerei in Deutschland. Seit den 70er Jahren bannte der Münchner Künstler – in der bayerischen Metropole wurde er 1908 geboren und verstarb mit 101 Jahren – die Farbe Rot immer und immer wieder auf Leinwand, in Nuancen von hellem Gelb bis ins tiefste Violett. Der vierfache documenta-Teilnehmer und Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49 setzte auf klare Formen wie Kreise oder Quadrate, die einzig dazu dienen sollten, die Farbe unbeeinflusst hervortreten zu lassen.
Rupprecht Geiger, Edition 2010
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Lawrence Weiner
Die Idee für ein Kunstwerk ist bereits das Kunstwerk selbst ‒ Lawrence Weiner hat den Kunstbegriff radikalisiert. In den sechziger Jahren, einer der bedeutendsten Dekaden der Gegenwartskunst, leistete er Pionierarbeit: Er machte Sprache zum Medium der bildenden Kunst. Mit seinen Textbotschaften demokratisierte er die Kunst. Der Künstler als Autor mit Deutungshoheit rückte in die Ferne, der Betrachter geriet ins Zentrum. Wie selten zuvor lag es an ihm, ein Werk gedanklich zu vollenden. 1968 bekräftigte Weiner in drei kurzen Leitsätzen, dass ein Kunstwerk keine physische Gestalt mehr annehmen muss: „1. Der Künstler kann die Arbeit herstellen. 2. Die Arbeit kann angefertigt werden. 3. Die Arbeit muss nicht ausgeführt werden.“
Weiner wurde 1942 in der Bronx, New York, geboren. Heute lebt und arbeitet er in der Stadt am Hudson und in Amsterdam. Er zählt zu den bekanntesten Künstlern weltweit und gehört neben Joseph Kosuth, Robert Barry und Sol LeWitt zu den führenden Figuren der US-amerikanischen Konzeptkunst. Er war Teilnehmer der documenta-Ausstellungen 5, 6, 7 und 13 in Kassel und der 36., 41., 50. und 55. Biennale in Venedig. Seine Arbeiten sind weltweit in den wichtigsten Museumssammlungen der Gegenwartskunst zu Hause. 2007 bis 2009 fand im Whitney Museum, New York, im MoCA, Los Angeles, und im K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, eine große Retrospektive seines Werkes statt.
Lawrence Weiner, A & The as an A in a Whirl
Auf Anfrage