Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

Lawrence Weiner
Was wir in „A & The as an A in a Whirl“ (2008) sehen, ist etwas zwischen einer Idee und einer Skulptur aus Sprache. Wir erkennen ein Werk des US-amerikanischen Konzeptkünstlers Lawrence Weiner darin. Der Vorreiter dieser immateriellen Kunst bevorzugt abstrakte Texte. Der vorliegende erscheint in der für Weiner charakteristischen Form: Großbuchstaben, markanter Schriftzug und reduzierte Farbgebung. Das Rot und Blau unterstreicht den Text als Mitteilung. Welche Botschaft das Textbild aber hat, entscheidet allein sein Betrachter. Wer hier im Strudel der Worte gefangen ist oder von ihnen hinausgewirbelt wird, bleibt Interpretation. Die Wahrnehmung als solche, das Denken selbst wird in dieser Arbeit gespiegelt. Durch überraschende Wort-Sinn-Beziehungen, visuelle Knappheit und pointierte Zeichen stellt dieses Kunstwerk Fragen, ohne die Antwort in den Mund zu legen.
Lawrence Weiner, A & The as an A in a Whirl
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Jack Pierson
„There is something great about letters“ ‒ der Beginn von Jack Piersons Leidenschaft für Buchstaben fiel in die Zeit seiner Ankunft in New York, hier fand er eine flirrende Kunstszene vor, in der Jean-Michel Basquiat und Keith Haring gefeiert wurden. Im Jahr 1991 hatte Pierson ein Studio am Times Square, damals schlossen hier zahlreiche Theater und Shops, die Beschilderungen und Buchstaben landeten auf einem Schrottplatz in seiner Nähe. Er entdeckte sie für sich und schuf mit ihnen sein erstes Buchstaben-Werk: „stay“.
Pierson wehrt sich gegen Begrifflichkeiten wie „real“ oder „emotional“, mit denen seine Werke, die er selbst als „homespun“ oder „on a certain level naïve“ beschreibt, häufig assoziiert werden.
Jack Pierson, Ohne Titel
Vergriffen
Alex Hubbard
Den C-Print „Letter Phase 66–67“ hat Hubbard 2011 für die renommierte Kunstzeitschrift Texte zur Kunst konzipiert. Über gestreifte und monochrome Stoffe ist eine Buchstabengruppe gestreut. Die Schriftzeichen und ihr Untergrund überlagern und durchdringen sich gegenseitig. So lassen sich die Bildebenen nicht mehr eindeutig bestimmen und die Lesbarkeit wird erschwert. Die Buchstaben scheinen wie bei einer Explosion an den Rand des Blattes vorzustoßen. Und tatsächlich tritt die Zeichenfolge B-O-M-B hier aus der Fläche hervor. Zusammengenommen ergeben die beiden Bilder also eine Art visuelle Dichtung, die einen zeitlichen Prozess mit abstrakten Mitteln zum Ausdruck bringt.
Alex Hubbard, Letter Phase 66-67
Vergriffen
Idris Khan
Mit seinem radikal reduzierten „Schwarzen Quadrat auf weißem Grund“ verabschiedete der russische Maler Kasimir Malewitsch die figurative Malerei 1915 und markierte den Beginn der gegenstandslosen Kunst. „Death of Painting“ („Tod der Malerei“) – in dieser Aussage findet dieser Nullpunkt der Kunstgeschichte seinen Kulminationspunkt. Und genau diese Aussage hat der britische Künstler Idris Khan immer und immer wieder mit dicker Ölkreide auf Papier wiederholt, und zwar so lange, bis aus der sich überlagernden Schrift wiederum ein schwarzes Quadrat entstanden ist. Rückgriffe auf die Historie – zumal auf die Geschichte der Kunst – sowie Überlagerungen ziehen sich wie ein roter Faden durch Idris Khans Werk. Berühmt geworden ist der britische Künstler, 1978 in der Nähe von Birmingham als Sohn eines muslimischen Pakistaners geboren, nach Verlassen der Royal Academy of Art in London 2004 mit digitalen Überblendungen von gefundenen Bildern oder Texten wie den Buchseiten des Koran oder den Fotografien industrieller Bauten von Bernd und Hilla Becher.
Idris Khan, every … Bernd und Hilla Becher Spherical Type Gasholder
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Christian von Steffelin
6 Jahre, von 2003 bis 2009, dauerte die behutsame Restaurierung des Neuen Museums in Berlin, jenes Glanzstücks der dortigen Museumsinsel, das zwischen 1843 und 1855 nach Plänen des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler errichtet und im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde.
Der Fotograf Christian von Steffelin ahnte, als er 2005 diese Aufnahme im Nordkuppelsaal des Neuen Museums machte, nicht, dass der Raum mit der Wiedereröffnung im Jahr 2009 das „Wohnzimmer“ der Nofretete werden sollte. Von Steffelin beweist einen langen Atem, wenn er in Langzeitstudien tags oder nachts, bei Nebel oder im Morgenlicht Orte und Gebäude über Jahre hinweg fotografiert und sie damit vor dem Verschwinden und Vergessen bewahrt.
Christian von Steffelin, Nordkuppelsaal I
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Thomas Ruff
Ruff gehört zu den bekanntesten Fotokünstlern seiner Generation. Seine Arbeiten haben den Weg in zahlreiche wichtige Museumskollektionen weltweit gefunden, darunter das Art Institute in Chicago, das österreichische Essl Museum, der Hamburger Bahnhof ‒ Museum für Gegenwart ‒ Berlin, das Metropolitan Museum of Art und das Solomon R. Guggenheim Museum in New York sowie das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (S.M.A.K.) in Gent. Seit dem Jahr 2000 wird Ruff u.a. von der New Yorker Galerie David Zwirner vertreten.
Thomas Ruff, o.T.
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Harald Naegeli
„Ich bin Zeichner!“, so der Schweizer Künstler Harald Naegeli (*1939). Überraschend ist das Medium, das er für sich auserkoren hat: Als Pionier der Graffiti-Kunst sprayte er bereits in den 1970er Jahren filigrane Wesen mit wenigen Linien an die Häuserwände seiner Heimatstadt Zürich. Gleichzeitig studierte er intensiv die Alten Meister wie Albrecht Dürer oder die asiatische Zeichenkunst und fühlt sich verbunden mit den Ursprüngen der Felsenzeichnungen. „Urwolke“ nennt er sein Lebensprojekt: eine Endloszeichnung aus mittlerweile über 500 Blättern, auf denen er mit winzigen Strichen, Punkten und Kreisen Bewegung und Räumlichkeit visualisiert.
Harald Naegeli, o.T.
Vergriffen
Joseph Beuys
Die „Surrender II“-Edition geht zurück auf Beuys` Amerika-Reise im Jahr 1974. Eingeladen von zwei US-Galeristen, bestand Joseph Beuys darauf, in Universitäten und Galerien statt Werken seine Ideen zu Kunst und Gesellschaft zu präsentieren. „Ein Stress ohnegleichen“, erinnert sich Klaus Staeck, der ihn damals begleitete. „Wie viele ‚Lectures‘ er gehalten hatte! Und immer war diese Spannung: Ist das ein Guru oder ist das ein Spinner? ... Aber Beuys hat das eiskalt – cool, würde man heute sagen – durchgezogen. Bewundernswert.“
Joseph Beuys, Surrender II
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Christo
24 Jahre lang bemühten sich Christo und Jeanne-Claude um die Realisierung ihres Projekts „Verhüllter Reichstag“. Mit 292:223 Stimmen (bei 9 Enthaltungen) endete schließlich am 25. Februar 1994 die Abstimmung im Deutschen Bundestag – mehr als eine Stunde war dort über das Kunstwerk debattiert worden.
Wenn man die magischen Bilder der Aktion sieht und Zeitzeugen hört, lässt sich nur schwer nachvollziehen, wie viele Widerstände es damals gab. Dabei war dem Künstlerpaar die Bedeutung ihres Projekts durchaus bewusst. „Wir verhüllen nicht nur ein Gebäude. Wir verhüllen die deutsche Angst, den deutschen Stolz, die deutsche Vergangenheit“, sagte Jeanne-Claude 1995 in einem ZEIT-Interview.
Die handsignierte Edition „Reichstag X“ zeigt die gewaltigen Ausmaße der Verhüllungsaktion ‒ die fließenden Stoffbahnen erscheinen in ihren schieren Abmessungen auch im Rückblick noch wie ein Wunder.
Christo, Reichstag X
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Lou Loeber
Lou Loeber widmete ihr Leben ganz der Kunst. Am 3. Mai 1894 wurde sie in Amsterdam geboren; ihr wohlhabendes Elternhaus war stets offen für neue künstlerische Entwicklungen in den Niederlanden um die Jahrhundertwende. Bereits 1913 bekam Loeber ihr eigenes Atelier, 1915 wurde die junge Malerin an der Rijksacademie voor Beeldende Kunsten, Amsterdam, aufgenommen. Sie war aktive Sozialistin, Pazifistin – und Veganerin: ein moderner Mensch. Sie interessierte sich für den Kubismus und setzte sich intensiv mit „De Stijl“ und den Lehren des Bauhauses auseinander. 1931 heiratete sie den Maler Dirk Koning. Loeber starb 1983 in Blaricum, Provinz Nordholland.
Lou Loeber, Geranium
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Walter Dexel
Dexels Holzschnitt „Composition“ aus dem Jahr 1924 zeigt, dass er zu den großen konstruktivistischen Künstlern des 20. Jahrhunderts gehört. Mit einfachen geometrischen Formen erzeugt er dreidimensionale Tiefe – und entfacht so eine starke Sogwirkung, die sich unmittelbar auf uns als Betrachter überträgt.
Werke von Dexel sind z.B. in der Kunstsammlung Jena und der Hamburg Kunsthalle, im Frankfurter Städel Museum und in der New Yorker Neuen Galerie vertreten und werden u.a. bei Christie‘s versteigert.
Walter Dexel, Composition
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Markus Oehlen
Begonnen hat er als die Verkörperung des ‚Jungen Wilden’ schlechthin, der die vom atomarem Wettrüsten geprägte No-Future-Stimmung der 80er Jahre als Punk-Musiker auf den Punkt brachte: Markus Oehlen, Jahrgang 1956, einst Schlagzeuger der Band ‚Fehlfarben’, heute international anerkannter Maler und Bildhauer sowie Professor an der Akademie der Bildenden Künste München. </p>
<p>Oehlen, gelernter technischer Zeichner, hat eine ihm ganz eigene Bildsprache entwickelt: In mehreren Bildschichten übereinander gelagert, teils gedruckt, teils gemalt, lässt er Kompositionen aus grafisch-linearen, abstrakten und figurativen Elementen entstehen, die in ihrer Farbigkeit dreidimensional werden – sie erscheinen plastisch und sind doch nicht zu greifen. Mit immer neuen Materialien, von Wachs, Lack und Kugelschreiber bis hin zur Verwendung von Fotos und computergenerierter Muster sprengt Oehlen auch in seiner Technik den Rahmen des Gewohnten.
1993 widmete das MOMA New York Markus Oehlen zusammen mit Georg Herold eine Werkschau als den zwei herausragenden Vertretern der dritten deutschen Nachkriegs-Künstlergeneration.
Markus Oehlen, Old Venlo
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Friedrich Kunath
Friedrich Kunaths Werk ist getragen von Poetik, Melancholie, Ironie, Absurdität und Existenzialismus. Das Gewöhnliche spielt ebenso wie das Erhabene eine Rolle in seiner Kunst. Selbstbewusstsein und Zweifel widersprechen sich bei Kunath nicht. Seine Ausdrucksweise in Malerei, Zeichnung, Objektkunst, Fotografie, Video- sowie Mixed-Media-Installation und Performance ist immer überraschend und unendlich reich an Ideen. Seine Rauminszenierungen wirken oft befremdlich, verbinden das scheinbar Unvereinbare miteinander.
In der internationalen Kunstszene ist Kunath seit den späten 1990er Jahren erfolgreich und berühmt. Er wurde 1974 in Chemnitz geboren und wuchs in Ost-Berlin auf. Bei Walter Dahn studierte er an der Hochschule für Bildende Künste, heute lebt und arbeitet er in Los Angeles. 2012 erhielt er den renommierten Sprengel-Preis für Bildende Kunst.
Friedrich Kunath, I don't worry anymore
Vergriffen
Stefan Marx
Seine Zeichnungen zieren neben Galeriewänden auch Plattencover, Skateboards, Zines und Theater-Broschüren. Die Rede ist von Stefan Marx, Jahrgang 1979. Der Zauber seiner Arbeiten liegt im Alltäglichen, das sie verhandeln. Für artflash hat Marx eine Edition mit Unikatcharakter geschaffen – humorvoll und eigensinnig – und limitiert auf 16 Exemplare.
Stefan Marx, Moonlightsss
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George Byrne
Der Schatten eines Schwimmreifens, Palmen vor wolkenlosem Himmel, menschenleere Gebäudefassaden, bizarre Details - der australische Fotograf George Byrne schaut hin, wo scheinbar nichts passiert. Doch die Straßen- und Landschaftsfotografie des Vierzigjährigen Australiers strahlt! Sie ist Lebensgefühl pur. Ein Roadmovie durch bezaubernde Farben, schillerndes Licht und ungewöhnliche Bildkompositionen.

Für sein letztes Projekt „Local Devision“ fuhr Byrne Tag um Tag, Stunde um Stunde in einem ehemaligen Polizeiauto durch die Vororte seiner Wahlheimat Los Angeles. „Local Devision“ so hieß auch seine erste große Einzelausstellung, als er zurück nach Australien kam, bei dem Galeristen Tim Olsen 2016 in Sydney. Ein Senkrechtstart ‒ mit ihr wurde Byrne einem größeren Kunstpublikum bekannt. Byrne, der an der Sydney University und am Sydney College for the Arts studierte, ist zudem Sänger und Songwriter. Angesichts seiner Bilder ist es wahrlich nicht schwer, einen Song vom ewigen Sommer im Ohr zu haben.
George Byrne, 99 Silverlake #3
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Christoph Niemann
Die Arbeiten des international gefragten Illustrators und Künstlers Christoph Niemann sind genauso schlicht wie genial: Wenn ein Mohnbrötchen in seinen Zeichnungen zum Dreitagebart mutiert, Bananen zu Hinterflanken eines Pferdes oder Eddings zu gestiefelten Beinen werden, nicken wir zustimmend und müssen schmunzeln. Aber selber darauf gekommen wären wir nie! Seit sieben Jahren postet Niemann in seinem Sonntags-Blog „Abstract Sunday“ in der „New York Times“ seine erfindungsreichen und humorvollen alltäglichen Beobachtungen. Der für artflash geschaffene Siebdruck trägt den einfachen Titel „Legs“ – und erzählt doch so viel mehr!
Christoph Niemann, Legs
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Louise Bourgeois
Louise Bourgeois eine Grande Dame der zeitgenössischen Kunst zu nennen, ist nicht zu hoch gegriffen, schließlich stellte die 2010 mit 98 Jahren verstorbene Künstlerin in den großen Museen weltweit aus. 1983 richtete ihr das Museum of Modern Art in New York als erster Künstlerin eine Einzelausstellung aus. Ihre Skulpturen und Installationen aus Bronze und Marmor, Gips, Latex und Textilien erzielen Höchstpreise – sie gilt als eine der teuersten Künstlerinnen der Gegenwart überhaupt. Und doch trifft die Würdigung nicht ganz: Denn bis zuletzt verweigerte sich die geborene Französin, die ab 1938 in New York lebte, dem Gesetzten, Damenhaften. Im Rahmen der legendären Salons in ihrem Atelier in Chelsea suchte sie noch in hohem Alter den Austausch mit jungen Künstlern.
Sie blieb eine Fragende, die in ihrer autobiografisch motivierten Kunst Angst, Hass, Wut und vor allem ihre traumatischen Kindheitserinnerungen thematisierte. Welche Grande Dame ließe sich von Robert Mapplethorpe porträtieren, verschmitzt lächelnd im Fellmantel mit übergroßem Phallus unter dem Arm? Eben. Und so können wir Louise Bourgeois in Erinnerung behalten als weise alte Frau mit großem Humor, die uns gelehrt hat, dass Schmerz und Tod zum Leben gehören und das Fragen niemals endet.
Louise Bourgeois, The Reticent Child
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